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Was sagt Luhmann zum System Arbeit?
Elisa
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Anmeldedatum: 15.10.2013
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Hallo zusammen,

ich schreibe derzeit meine Abschlussarbeit zu dem Thema: Langfristige und temporäre Mitarbeiterbindung in Unternehmen" und versuche die Theorie zu widerlegen, dass sich Unternehmen als soziales System (um im soziolog. Fachjargon zu bleiben: Organisationen) immer nach innen und außen von anderen sozialen Systemen abgenzen müssen.

Ich bin der Meinung, dass im Zuge des Fachkräftemangel und Demographiewandels Organisationen sich nach außen und innen hin öffnen müssen, um als Arbeitgeber attraktiv zu sein/bleiben. Kurz: Wenn ein hochqualifizierter Mitarbeiter schon einen Großteil seiner Zeit auf der Arbeit verbringt, dann muss es ihm zumindest möglich sein andere soziale Teilsysteme mit seinem Arbeitsleben zu vereinbaren -> Simmel: Individuum im Schnittkreis vieler sozialer Kreise.
Das zielt auf das eigentliche Thema der Mitarbeiterbindung ab, z.B. durch Kinderbetreuung im Unternehmen, Gesundheitsförderung, etc.

Wer von euch kann mir Tipps oder Links geben, wo ich etwas darüber erfahre, was Luhmann zum sozialen System Arbeit sagt, und wie es sich zu anderen Systemen verhält. Ich komme nämlich aus der Psychologie und brauche dringend Unterstützung.
Vielen Dank vorab!
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CanumaGizeh
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Luhmann hat recht, wenn das Unternehmen komplett isoliert wäre von allem anderen und keinerlei mangel an arbeitsplaetzen also Fachkräften, kinderbetreuung etc. vorhanden wäre.

Du hast allerdings ebenso recht, da man das System Betrieb natürlich im Kontext zum System Globalisierung sehen muss.

Das was Luhmann Kommunikation nennt ist auf Gesellschaften, z.b. Kategorie Länder, Ethnien, Kontinente, also allgemein ein Supra-System bezogen immer der Mensch selbst.

Wenn du jetzt wieder das System Unternehmen betrachtest versucht die Gesellschaft/das "Unternehmen" mit dem quasi "gott"/dem Unternehmenschef in der Gesellschaft der Gesellschaften/seine Konkurrenz, seine Sprache/die in dem System agierenden(in welcher Art auch immer) Individuen zu erhalten.

Die Versuche eines Unternehmens neue Fachkräfte zu finden, Kinderbetreuung, gutes Mensaessen etc. zur Verfügung zu stellen ist quasi nur ein Trieb seine Kommunikation(auf uns gesprochen, die Stimme, auf Gesellschaft: Die "Sprache" und aufs Unternehmen gesprochen, seine Arbeiter) zu erhalten.
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ParaDoxa
von Luhmann begeistert

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Hallo Elisa,

erst mal vorweg: es gibt kein System "Arbeit". Was Du meinst, ist das Wirtschaftssystem. Weiterhin wichtig zu wissen: Unternehmen als Organisationen sind dem Funktiomssystem Wirtschaft nicht eindeutig zuzuordnen. (Sehr erhellend hierzu eim Text von Veromika Tacke, dessen genauen Titel ich gerade nicht weiß.) Und dritter Punkt: Mit Offenheit und Geschlossenheit sind hier glaube ich etwas andere Dinge gemeint.
Das von Dir angesprochene Problem widerspricht zumindest nicht Luhmanns Theorie. Um das zu verdeutlichen vielleicht zunächst zur Zuordnung von Organisationen zu den Funktionssystemen: Fast alle Organisationen brauchen beispielsweise Geld. Dennoch würde niemand Parteien, Schulen oder Krankenhäuser dem Wirtschaftssystem zuordnen. Umgekehrt wird in Unternehmen teilweise Forschung betriben, ohne dass sie damit dem Wissenschaftssystem angehören oder dem Rechtssystem, weil es eine Rechtsabteilung gibt. Der Punkt ist vielmehr, dass Organisationen SO BEOBACHTET WERDEN, als gehörten sie einem Funktionssystem an. Und sie beobachten sich auch selbst so. Faktisch sind sie aber Adressaten von wirtschaftlicher, politischer, rechtlicher etc. Kommunikation. Ein Unternehmen, das ausschließlich in Form von Zahlungen kommunizieren würde, wäre gar nicht lebensfähig.
Insofern ist es gar nicht widersprüchlich, wenn Unternehmen hausinterne KiTas einrichten. Organisationen grenzen sich gegenüber ihrer Umwelt über den Mitgliedschaftsstatus ab und nicht über den Code der Funktionssysteme. Die Wirtschaft besteht schließlich auch nicht nur bzw. eigentlich überhaupt nicht aus Unternehmen. (Die Wirtschaft ist Kommunikatoon in Form von Zahlungen.)
Der Grund, warum nun Unternehmen KiTas einrichten etc., das hast Du schon ganz richtig erkannt: Sie versuchen damit Erwartungen ihrer Umwelt gerecht zu werden, weil sie dies als Mittel zur Erreichung ihres Organisationszweckes (der erfolgreichen Produktion von Gütern) betrachten. Das widerspricht aber nicht ihrer operativen Geschlossenheit in Form von Entscheidungen.
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CanumaGizeh
Einsteiger

Anmeldedatum: 14.10.2013
Beiträge: 8
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So schreibt es dann wohl jemand der Luhmann wirklich gelesen hat Very Happy
Richtiger und allgemeingültiger, aber eben auch komplizierter Razz
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Elisa
Einsteiger

Anmeldedatum: 15.10.2013
Beiträge: 2
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Vielen herzlichen Dank für den ausführlichen Input!
Ich werden das Ganze jetzt nochmal vertiefen und nochmal darauf zurückkommen.
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Was sagt Luhmann zum System Arbeit?
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