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Systemtheorie und kollektives Handeln
Marianne
Einsteiger

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Hallo ihr Lieben,

ich stehe vor einem Problem.
Und zwar versuche ich herauszufinden, ob sich die Probleme des kollektiven Handelns bei Mancur Olson, also dass rational handelnde Individuen sich nicht an der Herstellung eines Kollektivgutes beteiligen selbst wenn sie davon Nutzen hätten, das Soziale Dilemma und das Trittbrettfahren durch Luhmann`s Kommunikationsbegriff irgendwie lösen lassen?

Ich weiß dass Luhmann Rationalität abstreitet und generell davon ausgeht, dass Systeme nicht handeln, sondern kommunizieren. Also kommt kollektives Handeln durch Kommunikation zustande. Ich würde versuchen, an der Nichtigkeit des Menschen und der Betonung der Kommunikation als soziales System anzusetzen, verlaufe mich aber immer wieder in Sackgassen, da ich mit Luhmann`s Theorie nicht allzu vertraut bin und ich das Gefühl habe, einen kleinen Anschubser zu benötigen.

Was sagt ihr dazu?
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Raumpilot
Luhmann suchend

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Wie bitte? Shocked Da sehe ich noch einigen Präzisierungsbedarf. Äh. Worauf willst du hinaus?

Du schreibst: "dass rational handelnde Individuen sich nicht an der Herstellung eines Kollektivgutes beteiligen selbst wenn sie davon Nutzen hätten"... Wenn ich Olsen richtig in Erinnerung habe, stimmt das nicht ganz. Sie tun es eben nicht freiwillig. Unter bestimmten Bedingungen tun das Individuen schon, und zwar vor allem in kleinen Gruppen (da dort soziale Kontrolle ausgeübt wird, in größeren Kollektiven gibt es natürlich funktionale Äquivalente für diese Kleingruppenkontrolle).

Und du willst das irgendwie mit Luhmann zusammen bringen. Ok.

1. Warum?
2. Schon konkrete Ansatzpunkte? Irgend etwas musst du dir ja dabei gedacht haben.

Versuch das bitte mal strukturiert darzulegen, ich glaube das hilft dir bereits.
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Marianne
Einsteiger

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Okay, also nochmal etwas geordneter:

Ich spreche natürlich von dem Problem, dass Individuen nicht freiwillig kollektiv handeln wenn keine Anreize bestehen bzw kein Zwang ausgeübt wird und die Gruppe zu groß ist.
Mit Luhmann möchte ich das ganze über einen Umweg zusammenbringen. Inzwischen ist meine Recherche auch schon etwas fortgeschritten.
Und zwar möchte ich untersuchen, inwiefern diese Probleme Olsons heutzutage durch das Internet und vereinfachte Kommunikation abgeschafft werden könnten (oder auch nicht?). Also quasi kollektives Handeln zurückführen auf den Kommunikationsaspekt. Dabei bin ich zur Zeit der Meinung, dass auch durch sinkende Transaktionskosten kein freiwilliges kollektives Handeln stattfindet, sondern vielmehr ein Teilen von Information oder Zusammenarbeit. (Theoretisch möchte ich hier Clay Shirky einbringen)
Und nun geht es darum, diese möglichen Lösungen durch vereinfachte Kommunikation und Gruppenbildung in Luhmann zu finden. Also ob unsere heutige Kommunikation schon damals in Luhmanns Theorie zu finden war.
Und inwiefern Luhmanns Verständnis von Kommunikation eine Lösung für Olsons Probleme sein könnten.

Allerdings habe ich immer noch das Problem, dass ich wohl eine Weile brauchen werde um in Luhmann einzusteigen.
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Raumpilot
Luhmann suchend

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Zitat:
Also quasi kollektives Handeln zurückführen auf den Kommunikationsaspekt. Dabei bin ich zur Zeit der Meinung, dass auch durch sinkende Transaktionskosten kein freiwilliges kollektives Handeln stattfindet, sondern vielmehr ein Teilen von Information oder Zusammenarbeit.
Question Ich verstehe leider immer noch nicht, worauf du hinaus willst. Von welchen Transaktionskosten sprichst du?! Welche Systeme untersuchst du eigentlich? Organisationen? Die ganze Gesellschaft? Kleingruppen? Luhmann wäre da ein guter Ansatzpunkt, um überhaupt mal zu klären, worüber du sprichst.

Sehr problematisch finde ich dein Vorgehen: du kennst Luhmanns Theorie nicht, siehst aber ein Problem, von dem du meinst, es mit dieser Theorie 'lösen' zu können. Ich habe das Gefühl, dass du am falschen Ort suchst bzw. Luhmanns Theorie mit Gewalt in eine Fragestellung drängst, die in der Theorie so gar nicht angelegt ist. Musst du irgendwie Luhmann in deine Arbeit einbringen?! Scheint mir fast so Smile

Du solltest das Problem erstmal, welches auch immer du siehst, system- bzw. kommunikationstheoretisch reformulieren. Wenn das klappt, hast du schonmal sehr sehr viel erreicht. Ich glaube jedoch, du übernimmst dich damit.

Mit Luhmann kann man die Probleme, das mag sein, vielleicht präziser/differenzierter beschreiben - bzw. mit einer anderen Terminologie und somit auch anderen Anschlussmöglichkeiten weiterer Theoriearbeit - und so interessante Gedanken entwickeln, neue Aspekte, Probleme, was auch immer sehen. Man kann ziemlich viel machen, aber dass man praktische Probleme kollektiven Handelns mit Luhmanns Theorie lösen kann - eher nicht.

Und das Internet? Erstens: Hoppla, wo kommt dieses denn plötzlich her bzw. wie passt das in deiner Arbeit? Du umreißt in deinen bisherigen Beiträgen riesige Themenfelder und scheinst überhaupt nicht zu wissen, was eigentlich deine zentrale Frage ist.

Zweitens: Das Internet macht alles einfacher? Dachte immer, das verursacht eher Kommunikationsprobleme, als dass es welche löst Wink Als relativ neues Kommunikationsmedium überfordert es die Gesellschaft tendenziell. Es erzeugt nämlich eine unverarbeitbare Masse an Kommunikationen und somit Anschlussmöglichkeiten. Das ist etwas, das man mit Luhmann (und Ausarbeitungen bei Dirk Baecker) sehr gut beschreiben kann.
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Raumpilot
Luhmann suchend

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Mal für zwischendurch.... http://www.youtube.com/watch?v=mquidr-Nq-4
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Mari
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Hi,

1. Ich fände es wahnsinnig spannend zu hören, wie du deine These weiterentwickelt hast
2. Das Problem, Menschen in Kommunikation einzubinden, kann man mit Luhmann sehr gut untersuchen: Darum dreht sich ein großteil der luhmannschen Theorie. Stichwort: Kommunikationsmedien. Verschiedene Medientypen sollen sicherstellen dass Kommunikationen a) Verstanden werden b) Personen erreichen und c) Angenommen werden. a wird durch Mulimedia und b durch Internet sicher extrem gesteigert. c muss aber durch symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien gelöst werden (z.B.: Geld, Macht, Gesetze, Liebe usw.)
3. Das Problem Freiwillig/nicht Freiwillig stellt sich bei Luhmann so nicht: Freiwillige Teilnahme oder nicht ist für Luhmann m.M. eine ZURECHNUNG durch einen BEOBACHTER: Du sagst also, wenn jemand durch Liebe zum kollektiven Handeln bewegt wurde, ist es "freiwillig", wenn er durch Geld oder Macht bewegt wurde, "unfreiwillig"... Für Luhmann sind all diese mechanismen symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien, die von der Gesellschaft hervorgebracht wurden und (nicht: um) jetzt das Problem der Koordination lösen...
(Luhmann geht nicht davon aus, dass es eine feste innere Persönlichkeit gibt, die dann Motivationen hat, die dann Handlungen auslösen. Deshalb stellt sich für ihn m.M. auch nicht die Frage, ob Motivationen "intrinsisch" oder "extrinsisch" sind - das ist wieder nur eine Zurechnung aus System oder Umwelt, die von einem Beobachter durchgeführt wurde)
4. Von Mancur Olson habe ich keine Ahnung, es klingt von dem was du sagt nach RCT (da passt auch der Transaktionskostenansatz dazu). RCT und Luhmann sind meistens inkompatibel: Statt rationaler Wahl gibt es bei Luhmann höchstens rationalisierte Wahl (man beobachtet sich selbst beim Verhalten und bietet dann eine Selbstbeschreibung an, die das Verhalten als Handeln zurechnet und dann nach möglichen "rationalen" Gründen für dieses Handeln sucht). Deshalb denke ich, dass man das Problem der Transaktionskosten und der Trittbrettfahrer mit Luhmans Theoriesprache evtl. gar nicht so ohne weiteres formulieren kann

Ich hoffe, das konnte dir helfen!
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System
Luhmann-Kenner

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Ich fänd's auch spannend, aber ob sich Marianne meldet? Eine Hilfe waren wir ihr ja mMn nicht...
Sie hat vermutlich auch Zeitdruck Embarassed
....
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Systemtheorie und kollektives Handeln
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