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Soziale Systeme benötigt Anstöße von Außen
Verena
Einsteiger

Anmeldedatum: 02.07.2012
Beiträge: 1
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Hallo,

für eine Prüfung muss ich die These "Ein soziales System benötigt Anstöße von Außen um sich selbst organisieren zu können" erläutern können.
Im Moment finde ich noch gar keinen Ansatz. Ist mit den Anstößen von Außen die System-Umwelt-Differenz gemeint? Und was ist unter "organisieren" zu verstehen?

Um hilfreiche und vor allem verständliche Tipps wäre ich sehr dankbar!

Verena
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System
Luhmann-Kenner

Anmeldedatum: 03.11.2010
Beiträge: 102
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Hallo Verena,
klingt interessant.

Aber mMn steckt in der Prüfungsthese ein kleiner Denkfehler, denn Systeme "benötigen" das eigentlich nicht. Um sich "organisieren" zu können, operieren sie via Autopoiesis. Das wars. Ansonsten sind zu "ihrem Überleben" höchstens noch strukturelle Kopplungen, Reduktion der Umweltkomplexität und symbiotische Mechanismen hilfreich.

Zu deinen Fragen:
1) "Anstöße" -> siehe Fremdreferenz/Information/strukturelle Kopplung;
2) bzgl. "organisieren" -> siehe operieren oder besser strukturieren (was zu deinem umgangssprachlichen "organisieren" vermutlich als systemtheoretischer Begriff besser passt).


Was verstehst du unter "benötigen"? Was ist das für eine Prüfung? Wer hat die Prüfungsfrage gestellt?
tschüss, Sys
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Mari
Luhmann-Kenner

Anmeldedatum: 03.01.2012
Beiträge: 71
Wohnort: Bamberg
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Sorry, dass ich erst jetzt antworte.
Die Antwort auf deine Frage findet sich in dem Zentralen Aufsatz von Heinz von Foerster: Über selbst Organisierende Systeme und ihre Umwelten
(Foerster, Heinz von: Über selbst-organisierende Systeme und ihre Umwelten 1960. In: Foerster, Heinz von; Schmidt, Siegfried J. (Hg.): Wissen und Gewissen. Versuch einer Brücke (= Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft 876) . Frankfurt am Main 1993, S. 211–232)

Der Aufsatz ist zumindest in seinen Grundargumenten leicht zu verstehen

Grundidee zusammengefasst:
- Systeme können sich nur dann selbst organisieren, wenn sie Energieaustausch mit der Umwelt betreiben
- von Foerster Beispiel: Eine Box mit vielen Magnetwürfeln darin bildet "Selbstorganisiert" Strukturen aus, wenn man sie schüttelt

Luhmann hat die Idee der Selbstorganisation aus der Kybernetik 2. Ordnung (also von Foerster) übernommen, für ihn sind dann v.a. psychische Systeme die "Energielieferanten", welche die sozialen Systeme "durchschütteln" (Luhmann nennt dies: "irritieren") - wie genau diese Irritationen dann verarbeitet werden, liegt aber an dem Sozialen System, und kann vom psychischen System nicht direkt bestimmt werden

Ohne Irritation der Gesellschaft durch psychische Systeme könnte die Gesellschaft daher keine Autopoiesis durchführen (= ohne Menschen keine Gesellschaft)

ich hoffe das war noch nicht zu spät für deine Prüfung! Viel Glück!
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Soziale Systeme benötigt Anstöße von Außen
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