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Luhmann vs. Profession (Funktionssystem und Organisation)
Sebastian
Einsteiger

Anmeldedatum: 01.07.2012
Beiträge: 1
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Hallo zusammen,

ich befasse mich gerade mit dem Thema, inwieweit man mit der Theorie Luhmanns die These beleuchten kann, dass die Professionsdiskussion bereits überholt ist und sich Professionen aufgelöst haben bzw. auflösen (Die Position von Stichweh ist mir bkannt) . Meine Herangehensweise in diesem Zusammenhang wäre dies von den Funktionssystemen und Organisationen her zu beschreiben. Hierzu sollen mir folgende Aspekte helfen:

1) Ein Funktionssystem kann nicht "adressiert" werden durchaus aber die darin ausdifferenzierten Organisationen.

Die jeweilige Professionstheorie/Professionsverständnis mal ausgeblendet stoße ich immer wieder an folgende "Probleme" die ich an dieser Stelle mal zur Diskussion bringen möchte. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich beim Zusammenhang zwischen Funktionssystemen und Organisationen nicht völlig auf dem Holzweg befinde. Sind folgende Aussagen haltbar:

1) Ein Funktionssystem differenziert sich über Organisationen aus und kommuniziert über "seine" Organisationen

2) Eine Organisation könnte grundsätzlich mehreren Funktionssystemen (die eine strukturelle Koppelung zur Organisation haben) zugeordnet werden.

3) Jede Organisation ist widerum ein autopoietisches, selbstreferentiellese....System, welches nicht linear von aussen beeinflusst werden kann


Ich bin grad im Moment vor lauter Auseinandersetzung mit diesem Thema ziemlich verwirrt und irritiert. Daher auch für jeden Hinweis/Kritik, Verweis auf weitere Literaturquellen dankbar.

Alles Gute

Sebastian
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Mari
Luhmann-Kenner

Anmeldedatum: 03.01.2012
Beiträge: 71
Wohnort: Bamberg
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ich denke, alle drei Aussagen sind haltbar.

Diskussionswürdig ist nur die Aussage: Eine Organisation kann Teil von mehreren Funktionssystemen sein
--> Verschiedene Autoren haben da verschiedene Meinungen geäußert. Teilweise wurde Luhmann vorgeworfen, dass er implizit davon ausging, dass 1 Organisation genau 1 Funktionssystem zugeordnet werden kann (z.B. Schulen = Erziehungssystem, Unternehmen = Wirtschaftssystem usw.), und sich daher in Wiedersprüche verstrickt. Andere sagen aber, Luhmann habe das gar nicht so gemeint: Organisationen sind nicht Subsysteme eines Funktionssystems, sondern eigenständige Systeme, die Kommunikationen zu verschiedenen Funktionssystemen beitragen können.

Jedenfalls herrscht inzwischen m.E. bei den Systemtheoretikern Konsens darüber, dass Organisationen nicht genau einem Funktionssystem zuzuordnen sind.
Dazu Aufsätze:

- Kneer, Georg: Organisation und Gesellschaft. Zum ungeklärten Verhältnis von Organisations- und Funktionssystemen in Luhmanns Theorie sozialer Systeme. In: Zeitschrift für Soziologie 30 (2001), S. 407–428.
- Schmidt, Volker H.: Die Systeme der Systemtheorie. Stärken, Schwächen und ein Lösungsvorschlag. In: Zeitschrift für Soziologie 34 (2005), S. 406–424.
Und die Reaktion darauf:
- Kieserling, André: Drei Vorbehalte gegen „Funktionssysteme“. In: Zeitschrift für Soziologie 34 (2005), S. 433–436.

Und sogar (oho!) International:
- Andersen, Niels A.: Polyphonic organisations. In: Bakken, Tore; Hernes, Tor (Hg.): Autopoietic organization theory. Oslo, Norway, Malmö, Sweden, Herndon (Va.) 2003, S. 151–182.


Ich hoffe, das hilft...

cu

Mari
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Luhmann vs. Profession (Funktionssystem und Organisation)
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