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Umweltpolitik durch Irritation
Timmay
Einsteiger

Anmeldedatum: 03.02.2013
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Guten Tag

Ich lese schon seit einiger Zeit sporadisch hier in Forum mit, habe mich jedoch erst heute hier angemeldet. Ich selber begegnete Luhmann in meinem Studium und würde mich niemals als einen Experten betrachten – ich bin mit seiner Theorie ein wenig vertraut jedoch bei weitem nicht en detail

Ich beschäftige mich im Moment mit der Thematik der Umweltpolitik. Nun mögen einige sagen ich solle doch mal bitte in das Buch Ökologische Kommunikation schauen. Das werde ich, aber ich erhalte mein Exemplar erst morgen (hoffentlich). Ich habe mir einige „Vorgedanken“ gemacht und sie mir zur eigenen Hilfe in ein Schaubild verwandelt. Doch habe ich gerade erst dadurch gemerkt das ich gar nicht so sicher bin was das alles angeht. Hier nun eine digitale Form meines Schaubildes.



Ich stehe vor einigen Problemen/Fragen

Umweltpolitik ist der Output des politischen Systems, soviel ist klar. Doch was sind die Faktoren welche das politische System irritieren das es zu Umweltpolitik kommt?

Ich überlegte mir das, dass System Natur wohl den Code Tod / Leben haben müsse (schöner Gedeih und Verderb). Nun wird dies von einigen Systemen wahrgenommen (die Information), zumindest so das sie Irritiert werden. Ich zähle dazu die Systeme, Politik, Parteien, Massenmedien, Mensch als psychisches System, Wissenschaftssystem.

Doch was passiert nun das am Ende Umweltpolitik betrieben wird?

Die Medien mögen darüber berichten sodass der Mensch davon erfährt. Er kann auch eine eigene Beobachtung gemacht haben. Gleiches gilt für Parteien. Wissenschaftler werden über die „Gesundheit“ der Natur forschen.

Warum wird das Politiksystem nun Umweltpolitik betreiben?
Ich denke das es über die strukturelle Kopplung durch Wahlen erfolgt. Zumindest das dies die Triebfeder ist. Aber was passiert dann genau? Und ich meine nicht im System der Politik (Blackbox Charakter)

Ich meine Wirtschaft (welche ihrerseits irritierten wird, Umweltauflagen kontra Geld). Wissenschaftssystem, welches z.B: von Parteien beauftragt wird für Gutachten.
Schlussendlich der Output durch Gesetze etc. (welche dann durch das Rechtssystem bewacht werden)

Sind meine Überlegungen/Schaubild soweit korrekt? Wie kann ich Parteien / Wissenschaftssystem in diesem Schaubild richtig integrieren?
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System
Luhmann-Kenner

Anmeldedatum: 03.11.2010
Beiträge: 102
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Hallo Timmay,
cool, prima die Grafik. Zunächst fällt mir auf, dass du Irritation ähnlich "wichtig" darstellst wie SK - das würde ich nicht tun. Irritation ist wesentlich allgemeiner zu fassen, denn alle Systeme lassen sich irritieren, einige gar "durch SK". Es gibt auch mMn nicht nur Irritation "durch Natur" - was andererseits aus deiner Sicht "Umweltpolitik" verständlich erscheint.

Im dich vermutlich vollends zu verwirren behaupte ich als Luhmannanfänger, dass es einen "Output des politischen Systems" (wie noch bei Easton) bei Luhmann nicht gibt. Es gibt wohl eine Leistung oder Funktion für die Gesellschaft, also die Umwelt des polSys, aber das gilt für alle Teilsysteme der Ges. Deine anschließende Frage zielt genauer in die Richtung wie Luhmann gedacht hat. Zunächst ist Umweltpolitik ein Feld (policy) von sehr vielen, welches im polSys bearbeitet wird. Wie kommt es also zur Irritation? Zunächst muss man am Primärcode und den Programmen des polSys ansetzen. Was irritiert die Macht? (Klar, wenn es vermutlich durch "schlechte" Umweltpolitik weniger Wähler für eine Partei gibt - was aber wiederum nur für die RegPartei gilt, eine OppPartei agiert anders über Werte und Andeutungen von Programmen (siehe dazu auch die Stufen von LUhmann (Werte/Programme/Rollen/Personen)). Was müsste das polSys an den vorhandenen Programmen ändern, wenn es Machtirritationen gibt? ....)

Ein System Natur gibt es bei Luhmann nicht. Es gibt nur "natürliche" Umwelt. Ein System nimmt nicht wahr, das wäre Verhalten, es wird höchsten (leicht) irritiert, aber das - da hast du Recht - erfolgt über Kommunikation (information/mitteilung/Verstehen) zwischen den Systemen, was nicht die strukturelle Kopplung ist. DIe ist immer im(!) System.

Medien sind ein eigenes FSys. Aber das Publikum ist ein Teilsystem des polSys. Deswegen sind das mediale System und das polSys strukturelle gekoppelt. Parteien sind ebenfalls ein Subsystem des polSys. Was Wissenschaftler forschen ist für das polSys ziemlich uninteressant.

"strukturelle Kopplung durch Wahlen" - nein, das ist bereits im System (Parteien <-> Publikum) - und Wahlen sind ein Programm. Das PRogramm wird u.a. durch den Code Macht "gesteuert".

Zu deiner letzten Frage empfehle ich die dringend das Buch "politische Soziologie" von Luhmann auszuleihen (ist posthum via Kieserling kürzlich erschienen). Darin ist eine super Grafik und Erläuterung zum polSys. DAs Machtbüchlein musst du dir separat ausleihen. Das Wissenschaftssystem ist ein eigenes FSys, so wie viele andere auch. Das ist relativ unwichtig. Ansonsten müsstest du auch das Rechtssystem (man denke an Umweltgesetze!!) und Wirtschaft usw. mit in Betracht ziehen....

Vermutlich habe ich dich mehr verwirrt als geholfen. Aber zunächst dienen meine kleinen Korrekturen nur der Begriffsbestimmung bei LUhmann, die ist nicht ganz trivial wenn man in Input/Output und Akteur/Mensch/Naturbezogen denkt, wie das ein wenig bei dir durchschimmert. Ihc habe lange gebraucht und stehe auch noch am Anfang. Ich denke aber du bist genau auf dem richtigen Weg mit deinen Frag. Super, weiter so. Gerne helfe ich dir weiter, wenn ich mal wieder Zeit finde. Melde dich wieder,

tschüss, Sys
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Timmay
Einsteiger

Anmeldedatum: 03.02.2013
Beiträge: 2
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verwirrt, nein es geht Very Happy

danke für deine Antwort und vielen dank für die Denkanstöße - ich werde schauen wann ich in die Bücher schaue , im moment "wühle" ich mich durch ein paar Publikationen von Kai-Uwe Hellmann. Es wird auf jeden Fall nicht meine letzte Frage hier sein.
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Umweltpolitik durch Irritation
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